Buchempfehlung: Das Glück des Phoenix von Mariona Mira

Das Glück des PhoenixDer Spruch „Wie Phoenix aus der Asche“ umschreibt das Phänomen, wenn eine Sache, die längst erledigt schien, doch noch in neuem Glanz erstrahlt. Die Redewendung geht auf einen mythischen Vogel zurück, der kurz vor Ende seiner Existenz verbrannte und aus seiner Asche neu geboren wurde. Ähnlich fühlt sich die Autorin Mariona Mira, die nach emotionalem Missbrauch in ihrem Elternhaus schließlich doch noch den Ausstieg schaffte und mit Hilfe von Kraftquellen einen Heilungsprozess einleitete. Viel zu oft sprach ihre Mutter vom schweren Leben, das man aushalten muss und nichts zum Guten verändert werden könne. Glücklicherweise unterwarf sich Mariona Mira nicht dieser Hoffnungslosigkeit. Mit der nötigen Neugierde gelang ihr der Kontakt mit der Kehrseite der Geschichte.

„Ich brauche dich! Wenn du weggehst sterbe ich!“

Was lösen diese Worte einer Mutter bei einem kleinen Mädchen aus? Die Antwort kann nur lauten: „Pure Angst um das Leben der Mama und die feste Überzeugung, dass die Mutter ohne ihre Tochter nicht bestehen kann.“ Eine solche Last liegt sehr schwer auf den Schultern eines Kindes. Normalerweise beschützen die Eltern ihre Kinder. Bei emotionaler Erpressung sind aber die Rollen vertauscht. Marianas Mutter übernahm den Part der schwachen Person. In Wahrheit war sie jedoch die Starke, denn sie setzte die Macht der Schwäche gezielt mit Manipulation für ihre eigenen Belange ein. Indem sie bei ihrer Tochter ständig ein schlechtes Gewissen erzeugte, war ihr die volle Aufmerksamkeit gewiss. Mit immerwährenden Schuldgefühlen aufwachsen, artet für ein Kind zur unzumutbaren Belastung aus. Seelischer Missbrauch verursacht keine ersichtlichen Wunden, verletzt aber die Würde eines Menschen und hinterlässt Narben auf der Seele. Leider hörten, wie in den meisten Fällen, die emotionalen Erpressungen vonseiten der Mutter auch bei Mariona Mira im Erwachsenenalter nicht auf.

Quellen, die Kraft spenden und die Heilung unterstützen

Im Buch „Das Glück des Phoenix“ berichtet Mariona Mira sowohl von ehemaligen Konfliktsituationen mit der vereinnahmenden Mutter als auch von Maßnahmen, die ihr bei der Bewältigung der seelischen Erschütterung halfen. Der Weg in die Freiheit begann beim selbstständigen Denken. Doch zunächst erhöhte sich ihr innerer Druck auf ein nicht mehr auszuhaltendes Maß. Mariona Mira entdeckte für sich die Kraftquellen Kreativität, Bewegung, Reisen und Tabubruch. Letzteres mag überraschen, aber wahrscheinlich liegt gerade hier das größte Befreiungspotenzial. Mariona Mira interpretiert die bewusste Missachtung der von Gesellschaft, Religion und Familie aufgestellten Regeln als Übungen für Fortgeschrittene, zu denen auch der endgültige Kontaktabbruch zum emotionalen Erpresser gehört.

Überlebensstrategien als persönliche Stärken ansehen

Die Autorin betrachtet es heute als Glück, wenn Erpressung bei ihr nicht mehr greift. Wie andere, die sich erfolgreich aus den Fesseln emotionaler Nötigung befreiten, setzt Mariona Mira inzwischen auf das Vertrauen in die eigene Kraft. Wer jahre- oder jahrzehntelang gefühlsmäßig erpresst wurde, kann Feinheiten wahrnehmen, die anderen Menschen verborgen bleiben. Übersensible Sensoren gestatten sehr intensive Empfindungen. Gesten, Mienenspiele und Schwingungen im Tonfall sagen oft mehr als Worte. Viele Betroffene reagieren allergisch auf Heuchler, denn sie merken sofort, wenn sie von ihren Mitmenschen belogen werden. Die einstigen Überlebensstrategien entpuppen sich nun als persönliche Stärken, aber nur, wenn die Problematik erkannt und der Kreislauf der emotionalen Erpressung unwiderruflich lahmgelegt wurde. Wer mit Manipulation und Schuldgefühlen aufwuchs, setzt beim eigenen Nachwuchs eventuell die gleichen Taktiken ein. Ohne Unterbrechung der Kette wird die „Familientradition“, die keine persönliche Freiheit erlaubt, einfach an die nächste Generation weitergereicht.

Das Buch als Hilfe für Opfer emotionaler Erpressung

Einerseits stellte für Mariona Mira das Aufschreiben des Geschehens ein wichtiger Bestandteil ihres Heilungsprozesses dar. Andererseits kann sie mit ihren Texten bei Betroffenen die Hoffnung auf Veränderung stärken. Von Interesse dürfte die Erkenntnis sein, dass emotionale Erpressung öfters vorkommt als vermutet. Indem jemand die eigenen Erfahrungen veröffentlicht, fühlen sich andere Opfer verstanden und bestätigt. Mit wem sollen sich emotional genötigte Personen ansonsten austauschen? Mitmenschen, die gegebenenfalls ins Vertrauen gezogen werden, wenden sich meist nur irritiert ab, weil sie den inneren Druck nicht nachvollziehen können. Das ist auch der hauptsächliche Grund, weshalb sich viele Betroffene immer mehr zurückziehen und ihrem Schicksal ergeben.

Für Personen, die niemals mit Manipulation in Berührung kamen, mögen die ersten Kapitel des Buches wie eine Leidensgeschichte erscheinen. Alle anderen, die emotionalen Missbrauch aus eigener Erfahrung kennen, finden garantiert Übereinstimmungen. Die Strategien mögen zwar variieren, es läuft aber immer auf die Erzeugung eines schlechten Gewissens hinaus, das den Manipulierten zu Handlungen zwingt, die nicht seinen eigenen Vorstellungen entsprechen. Unbeteiligte sprechen vielleicht die Empfehlung aus, keine Erpressungen mehr zu gestatten. Betroffene wissen jedoch, dass sich dieser Rat nicht in die Realität umsetzen lässt. Sicherlich haben sie es schon unzählige Male selbst ausprobiert.

Auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg aus der emotionalen Verstrickung erweist sich das Buch „Das Glück des Phoenix“ als wertvolle Unterstützung. Es zeigt, dass Wege zur Freiheit möglich sind.

Mehr im Buch:          Oder als E-Book:

      Anzeigen

Dieser Beitrag wurde unter Lebenshilfe abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.