Loslassen

Was hat Lebensfreude  mit Loslassen zu tun?
Logischerweise müsste es doch so sein, dass wir umso zufriedener sind, je mehr wir in den Händen halten. W
eit gefehlt, erst wenn wir gelernt haben, uns nur um uns und unsere Belange zu kümmern, sind wir an dem Pfad angelangt, der uns zur Freude und zum Glücklichsein führt. Klingt sehr widersprüchlich, stimmt’s?

Loslassen bitte nicht mit Egoismus verwechseln, obwohl es durchaus so ausgelegt werden könnte. Ein gesunder Egoismus, der sich selber schützt und weiß, wann es richtiger ist, sich aus Dingen heraus zu halten, die nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich gehören, bedeutet in keinster Weise krankhafte Selbstsucht.

Menschen loslassen:
Fangen wir gleich mal mit dem Partner an, der ja nicht immer so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Warum haben wir uns damals für ihn oder sie entschieden? Es muss ja einen Grund geben, weshalb wir uns in genau diesen Menschen verliebten. Gewisse Eigenschaften zogen uns magisch an, sonst wäre der Herzklopfeffekt nicht eingetreten.  Meist sind es Verhaltensweisen, die im krassen Kontrast zu uns stehen. Gegensätze ziehen sich eben doch an. Die erste Zeit nach dem Kennenlernen übertüncht noch die Liebe diese Unterschiede, mehr noch, wir finden das Andersartige sogar sympathisch. Doch im Laufe der Jahre geschieht es leider oft, dass gerade diese Diskrepanz immer mehr auf die Nerven geht. So folgt gezwungenermaßen der nächste Schritt: Der Beginn der Umerziehung. Bei manchen Menschen gelingt es sogar. Aber mit welchem Ergebnis? Der Partner ist nach den erfolgreichen Umerziehungsmaßnahmen nicht mehr der Mensch, der damals das Herz schneller schlagen ließ. Ehemalige Kinder von dominanten Eltern, egal ob Vater oder Mutter,  sind besonders leichte Opfer. Sie waren es gewohnt, sich so zu verhalten, dass es möglichst wenig Konflikte gab und wählen deshalb vielleicht immer noch den bequemen Weg. Die Alternative, nämlich sich nicht umerziehen zu lassen, wäre ihnen viel zu anstrengend.
Die Partner, die an ihren Gewohnheiten festhalten, sind schon eher eine Herausforderung. Streitigkeiten sind auf jeden Fall vorprogrammiert und kosten Kraft und Nerven. Wofür? Nur damit der Partner so funktioniert, wie wir es gerne hätten und genau aus diesem Grund mit der Zeit langweilig wird? Lassen wir doch besser unseren Partner los und gönnen ihm seine speziellen individuellen Macken. Solange wir nicht wirklichen Schaden davon tragen, ist doch alles in bester Ordnung.
Das gleiche gilt natürlich für unsere Kinder, insbesondere, wenn sie das Erwachsenenalter bereits erreicht haben. Es liegt sowieso nicht in unserer Macht, sie ständig beschützen zu können. Zudem sind unsere Kinder nicht dafür da, unsere Träume, die wir nicht verwirklichen konnten, in die Realität umzusetzen. Eine neue Generation lebt in einer anderen Welt, die für uns unerreichbar bleibt. Das Verrückte an der ganzen Sache ist, je mehr wir Menschen loslassen, desto besser wird unser Verhältnis zu ihnen. Versprochen!

Probleme loslassen:
Loslassen hat den gleichen Wortstamm wie Lösung. Wenn uns Probleme gar zu sehr gefangen nehmen, hilft es tatsächlich sehr oft, eine gewisse Distanz zu den Schwierigkeiten herzustellen. Immer nur grübeln bringt garantiert nicht den gewünschten Erfolg. Manchmal hilft es enorm, die Geschehnisse aus der Sicht eines Dritten zu betrachten, so als würde man über den Dingen stehen. Oder besser noch, man stellt sich eine Bühne vor, auf der wir selbst die Schauspieler sind. Diese ungewöhnliche Perspektive kann dazu beitragen, dass die Lösung gar nicht mehr weit ist, weil ganz spontan ein Gedanke kommt, der den fest sitzenden Knoten entwirrt. Aus dieser Perspektive wird oftmals auch das eigene Herumwuseln als mehr als unmöglich betrachtet mit der Feststellung, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Wer zu lachen anfängt, weil es gar zu komisch wirkt, versteht vielleicht jetzt, warum es trotz Abstrampeln keinen Schritt vorwärts geht.
Es gibt immer eine Lösung. Sie zu erkennen und zu ergreifen gelingt weitaus besser,  wenn erst einmal ein gewisser Abstand herbeigeführt wird. Vielleicht ist es sowieso allerhöchste Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen und es fehlt derzeit nur noch der Mut dazu.

Dinge loslassen:
Das Leben leicht machen und sich nicht ans Materielle klammern bedeutet im Klartest,  je mehr Dinge man besitzt, desto mehr will gehegt und gepflegt werden. Besitzt man zwei Autos, können auch zwei Autos kaputt gehen. Je mehr Besitz, desto mehr Verantwortung. Eigentlich brauchen wir gar nicht viel zum Leben: ein Dach über dem Kopf, Wärme im Winter, genug Essen und zum Trinken und die Grundbedürfnisse sind gedeckt. Gier ist eine negative Eigenschaft, die nicht wirklich glücklich macht.

Konventionen und alte Moralvorstellungen loslassen:
Solange niemand Schaden nimmt, hat jeder das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm beliebt. Und das Schöne daran ist, es gilt auch für uns selbst. Die Frage: „Was werden die Anderen dazu sagen?“, gehört aus dem Wortschatz rigoros verbannt. Und genauso fällt es nicht in unseren Zuständigkeitsbereich, über andere zu urteilen. Akzeptanz heißt das große Zauberwort. Warum sich über andere aufregen? Dafür ist die Zeit viel zu schade. Umgekehrt das Gleiche: Erregt unser Verhalten bei den lieben Mitmenschen Aufsehen, so ist das nicht unser, sondern deren Problem. Keine Angst, hier soll nicht zum Revoluzzertum aufgerufen werden. Es geht viel mehr um Zuspruch, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn er nicht der Norm entspricht. Alles was sich nach Zwang anfühlt, muss niemand über sich ergehen lassen. Verhalten, das andere von uns erwarten, wir aber nicht wollen, wofür soll das gut sein? Nur damit wir einen guten Ruf behalten? Sorry, auf den kann man pfeifen.

Alte Glaubenssätze loslassen:
Hier geht es nicht um Konfessionen, obwohl die durchaus Bestandteil sein können. Glaubenssätze sind Überzeugungen, die uns als Kind eingehämmert wurden und noch immer unser Verhalten beeinflussen.
Jeder trägt solche eigenen Wahrheiten mit sich herum, ohne sich dessen bewusst zu sein. Meist geht es um das Selbst, das manipuliert wurde. Angstmache wird gerne als Erziehungsmaßnahme benutzt und legt den Grundstein für spätere Panikattacken. Ständige Wiederholungen fixieren sich tief in der Kinderseele ein und bestimmen auch im Erwachsenenalter noch das Verhalten. Viele Menschen boykottieren deshalb ihr eigenes Glücklichsein. In Zeiten, die frei von Problemen und Sorgen sind, werden Probleme kreiert, weil tief im Innern verankert ist, man sei es nicht wert, dass das Leben angenehm verläuft und wartet darauf, dass irgendwo eine Strafe lauert.

Es ist furchtbar schwer solche Glaubenssätze erst mal aufzuspüren, sie zu vernichten und besser noch, sie mit positiven Aussagen zu überschreiben. Der Vergleich mit der Festplatte eines Computers drängt sich auf. Wenn eine Datei gelöscht wird, entfernt man eigentlich nur den Verweis, der weiß, wo genau die Daten auf der Platte stehen. Die Datei geistert weiterhin tief im Innern des Rechners herum, unauffindbar für den Laien. Am lebenden Objekt helfen Affirmationen, alte Denkmuster ins Positive zu überschreiben. Sie müssen täglich vorgesagt werden, bis sie zur Gewohnheit werden und wir uns selbst überzeugt haben. Es dauert allerdings Monate und vielleicht sogar Jahre. Doch wenn es vollbracht ist, war es allemal die Anstrengung wert.